Tagtäglich vollziehen wir mit unserem Gesicht selbstverständlich unzählige Bewegungen wobei wir die mimische Muskulatur dazu einsetzen. Vom Stirnrunzeln angefangen, über ein sympathisches Lächeln, Trauer, Wut, Freude – unsere Gesichtsnerven transportieren jede Emotion an diese Muskeln im Gesicht.
Wie sehr wir auf eine funktionierende Gesichtsmuskulatur angewiesen sind, und wie bedeutungsvoll sie ist, merken wir erst schmerzlich, wenn sie im Rahmen einer Gesichtsnervenlähmung nicht mehr funktioniert. Nach einem Schlaganfall, durch Tumore im Gesicht aber auch spontan ist plötzlich nichts mehr so wie es einmal war. Immer häufiger sind auch junge, sonst gesunde Menschen davon betroffen.
Die Ursachen können verschiedene sein. Häufig sind Tumore im Verlauf des Nerven, in der Ohrspeicheldrüse oder im Gehirn der Grund für einen druckbedingten Schaden des Gesichtsnerven und einer sogenannten Fazialis-Läsion (Gesichtsnerv = Fazialis-Nerv). Infektion oder Entzündung können ebenso Grund dafür sein, dass die Gesichtsnerven nicht mehr gehorchen.
Eine hängende Wange, ein sich nicht schließendes Auge sind nur einige der Symptome unter denen Betroffene zu leiden haben.
Die Behebung der Funktionsschäden nach einer Gesichtslähmung (auch Fazialisparese) zählt zu einer der größten Herausforderungen des Plastischen Chirurgen. Begibt sich der Patient zügig in Behandlung, gibt es gute Chancen, den beschädigten Nerv zu erhalten. Ein Verfahren ist die sogenannte „Baby-Sitter Prozedur“. Bei dieser Methode wird ein gesunder Nerv dazu benutzt, den ausgefallenen Gesichtsnerven zu ersetzen. So kann zum Beispiel der Zungennerv operativ so umgeleitet werden, dass er die Funktion der verletzten Gesichtsnerven übernimmt. Dies ist vor dem Hintergrund wichtig, dass der „Vertreter-Nerv“ die mimische Muskulatur erstmals weiter bedienen kann und so dafür Sorge trägt, dass die Gesichtsmuskulatur erhalten bleibt und nicht atrophiert (verschmächtigt). Bei diesem mikrochirurgischem Verfahren wird der Gesichtsnerv an den Zungennerv angeschlossen. Eine kurzseitige Stützung der Gesichtsmuskulatur kann damit zwar erreicht werden, aber dieser Vorgang stellt keine dauerhafte Lösung dar, da der Zungennerv nicht für die Versorgung des Gesichtsnerven gedacht ist. Der große Vorteil dieser sogenannten Baby-Sitter-Prozedur ist der Zeitgewinn. Durch die Stabilisierung der Gesichtsmuskulatur, können wir uns der Rekonstruktion des Gesichtsnerven widmen. Wir entnehmen dazu einen Spendernerv des Unterschenkels (der Suralis-Nerv, der ausschließlich sensibel ist und dessen Ausfall sehr gut verkraftet wird) und docken ihn an den gesunden Gesichtsnerven der Gegenseite an (sogenannte Cross-Face-Transfer). 6 bis 8 Monate braucht es bis die aussprossenden Nerven von der gesunden auf die gelähmten Gegenseite eingewachsen sind. Dann ist auch der Zeitpunkt gekommen, um den Ersatznerv mit dem geschädigten Gesichtsnerv zu verbinden und den `Kurzschluss` zum Zungennerv zurück zu verlegen.
Die „Baby-Sitter-Prozedur“ bietet Patienten mit einer Fazialis-Parese eine große Reihe von Vorteilen. Zu den Wichtigsten zählen die Wiederherstellung der Gesichtsmuskulatur und damit die gegebene Möglichkeit, mit wenig Beeinträchtigung wieder ins frühere Leben zurückzukehren. Sollte die mimische Muskulatur aufgrund lang anhaltender Lähmungserscheinungen (jahre- oder jahrzehntelanger Verlauf) inaktiv sein und nicht mehr zum Leben erweckt werden können, so stehen zusätzliche Behandlungsverfahren zur Verfügung (siehe dazu Gracilis-Transfer).

Besuchen Sie mich in meiner Privatpraxis für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Berlin Dahlem, falls Sie weitere Fragen rund um dieses Thema haben, ich freue mich auf Sie. Ich höre mir gerne Ihre Wünsche an und berate Sie bestmöglich.

Mikrochirurgische Rekonstruktion des Schläfenastes bei einer Verletzung am N. facialis.

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