Bei diesem Verfahren versuchen wir die Anatomie des Nervengeflechts (Plexus brachialis), welches aus den Zwischenwirbelkörpern am Hals heraustritt wieder herzustellen. Dafür wird das Nervengeflecht der Schulter und des Arms (Plexus brachialis) von der Austrittstelle (Foramen intervertebrale) bis zum Erfolgsorgan (Muskel, z. B. Bizeps brachii), dargestellt und verfolgt. Während der Darstellung lässt sich dann u. U. eine oder mehrere Verletzungsebenen identifizieren (z. B. supraclaviculär – oberhalb des Schlüsselbeins, infraclaviculär – unterhalb des Schlüsselbeins, axillär – in der Achselhöhle oder weiter entfernt davon: Oberarm, Unterarm, etc.). Die Operation erfolgt unter Verwendung von Lupenbrillen und Operationsmikroskop. Wenn die Verletzung identifiziert wurde, kann die Narbe, die auf den Unfall hin entsteht weggeschnitten werden. Die Narbe entsteht als Versuch des Körpers den Defekt zu heilen und die Unterbrechung der Nervenbahnen zu überbrücken. Das gelingt allerdings nicht, da bei vollständigen Durchtrennungen eine spontane Regeneration nicht stattfindet. Im Gegenteil: Die Nervennarbe wirkt geradezu als Hindernis, sodass diese entfernt werden muss, um die Nerventransplantate hier einzulegen. Nachdem die Narbe also chirurgisch, mit dem Messer beseitigt wurde, wird am Unterschenkel ein sensibler Gefühlsnerv für die Haut in Höhe des Außenknöchels entnommen (N. suralis). Dieser Nerv wird mit einem ca. 4 cm langen Schnitt entnommen und dient als Spendernerv für die Nerventransplantation. Nach der Entnahme des Nervs folgt eine Gefühlsstörungen auf der Außenseite des Fuß, wo der Nerv sein sensibles Versorgungsgebiet hatte. Erfreulicherweise hält dieses allerdings nicht lange an, sodass nach spätestens einem Jahr die Nachbarnerven dessen Aufgabe der Gefühlswahrnehmung auf der Außenseite des Fußrückens übernehmen. Nachdem der Nerv entnommen wurde wird dieser auf die Länge zurechtgeschnitten, die notwendig ist, um den Defekt am Plexus brachialis zu überwinden. Da der Suralisnerv auf seine gesamte Länge hin entnommen wird (es wird ein Katheter verwendet wird, um diesen in einer endoskopischen und minimalinvasiven Technik bis in die Kniekehle zu entnehmen) und diese bei einem ca. 180 cm großen Erwachsenen weit über 30 cm ausmacht, können mehrere kleine Stücke verwendet werden, um damit einen Defekt am Plexus brachialis aufzufüllen. Wir verwenden hierfür ein Operationsmikroskop, um die einzelnen Mikrostrukturen im Plexus brachialis zu identifizieren und diese jenseits des Defekts wieder zu finden und über die kleinen Suralisnerv- Transplantate zu verbinden. Wir sprechen hier von einer faszikulären Zuordnung der Nerven. Auf diese Weise kann eine Verletzung im Plexus brachialis identifiziert und mikrochirurgisch überbrückt werden. Anschließend können die Nerven dann über den ehemaligen Defektbereich hinweg sprießen, um den denervierten Muskeln (nicht mehr durch Nerven angesteuerte Muskelfasern) zu erreichen und erneut Funktion zu bewirken. Allerdings benötigt das Nervenwachstum einige Zeit (ca. 1 mm / Tag) sodass u. U. bei sehr hohen Defekten auch zwei Jahre und mehr vergehen können, bevor die `ausgeschaltete` Muskulatur erneut anspringt. Der Verlauf wird nach einer Operation und Nerventransplanation sehr engmaschig kontrolliert, sodass sich die Patienten regelmäßig zu Befundkontrollen in unsere Privatpraxis für Plastische Chirurgie, Hand- und Rekonstruktive Mikrochirurgie in Berlin vorstellen müssen. Abbildung. Nerventransplantation in Höhe der Achselhöhle. Mehrere Suralisnerven-Transplantate liegen hier in der Mitte des Bilder nebeneinander zusammen.

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Prof. Sinis Auszeichnungen

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