Bei der Gillies-Plastik wird eine sog. motorische Ersatzoperation durchgeführt, um das Gesicht nach einem Ausfall des Gesichtsnerven zu ‘reanimieren’, bzw. wiederzubeleben. Nach dem Ausfall des Gesichtsnerven (N. Facialis) hängt der Mundwinkel, das Augenlid lässt sich nicht vollständig schließen, sodass ein Uhrglasverband Nachts getragen werden muss.Diese Beschwerden können so gemeinsam oder isoliert auftreten, wenn ein partieller Ausfall des N. Facialis vorliegt. Da bei bestehender Gesichtsnervenlähmung gerade der fehlende Lidschluss ein großes Problem für die Patienten darstellt, ist das ein zentraler Inhalt der Plastischen Chirurgie und der Rekonstruktiven Gesichtschirurgie. Um den Lidschluss zu rekonstruieren, wird ein Muskel von der Schläfenregion so umgelagert, dass ein dünner Streifen der Muskelhaut durch das Ober- und Unterlid gezogen wird. Der Schläfenmuskel (M. Temporalis) wird von einem anderen Nerven versorgt (motorischer Ast des N. Trigeminus), sodass dieser trotz Vorliegen einer Fazialisparese versorgt wird und funktionsfähig bleibt. Der Temporalismuskel an der Schläfe ist für das Kauen und Beißen zuständig. Da ein nur ca. 1 cm breiter Streifen des Muskels benötigt wird, bleibt die Kauffunktion von der Verlagerung des Muskelstreifens unangetastet und erhalten. Der präparierte Muskelstreifen mit dessen Muskelhaut wird so umgeschlagen, dass sich die beiden Zügel an Ober- und Unterlid am inneren Augenwinkel treffen und hier miteinander vernäht werden. Auf diese Weise kann über eine Aktivierung des verlagerten Muskelstreifens Zug auf das Ober- und Unterlid gebracht werden, sodass der Lidschluss wieder möglich wird. Die Patienten sind in der Lage nach der Operation auf das Uhrglas zu verzichten, da der Lidschluss auch Nachts möglich ist. Da das menschliche Gehirn in der Lage ist neue Bewegungsabläufe zu erlernen und als Programme auf der Hirnrinde zu speichern, zu löschen oder auch umzustrukturieren (corticale Reorganisation) kann der Lidschluss mit diesem Verfahren so automatisiert werden, dass ein synchroner Lidschluss mit der Gegenseite erreicht wird. Dieser neue Lidschluss kann dann unbewusst und synchron mit der nicht verletzten Gesichtshälfte zur erneute Symmetrie für das Gesicht führen. Die Gillies-Plastik stellt ein klassisches Beispiel eines Muskeltransfers auf dem Gebiet der Plastischen Chirurgie und Handchirurgie dar, wo ein intakter Muskel so umgelagert wird, dass er eine ausgefallene Funktion ausgleicht und ersetzt (sog. Motorische Ersatzoperation). Weiterhin stellt das Verfahren nach Gillies eine klassische Indikaion der Plastischen Chirurgie des Gesichts dar, wo eine Straffung der Augenlider erfolgt (Lidplastik oder auch Blepharoplastik), die als rekonstrukive Maßnahme vorgenommen wird und nicht im Bereich der Ästhetischen Chirurgie (sog. Schönheitschirurgie) anzusiedeln ist. Demzufolge handelt es sich hierbei um eine klassische Kassenleistung, wo die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Ziel ist es, den Lidschluss wiederherzustellen, um das Austrocknen des Auges zu verhindern. Als Klinik für Plastische Chirurgie haben wir in Berlin einen besonderen Schwerpunkt auf der rekonstruktiven Gesichtschirurgie. Wir bieten zugleich sämtliche rekonstruktiven Verfahren im Gesicht bei Gesichtsnervenlähmung an.

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