Der sogenannte freie und funktionelle Muskeltransfer stellt in der Plastischen Chirurgie und in der rekonstruktiven Mikrochirurgie des Plexus brachialis eine weitere Option zur Rekonstruktion von besonders schwerwiegenden Verletzung des Plexus brachialis dar.
Besonders bei vollständigen Plexus-Läsionen aber auch nach inkompletter Regeneration des Nervengeflechts, welches Schulter, Arm und die Hand versorgt kommt der freie-funktionelle Muskeltransfers zum Einsatz. Hierbei wird ein gesunder Spendermuskel entnommen (z. B. der Gracilis-Muskel am Oberschenkel) und an die verletzte Extremität (Schlulter, Oberarm oder Unterarm zur Hand) transplantiert. Die Transplantation bedeutet, dass der Muskel mit seiner Gefäßversorgung aber auch mit der nervalen Versorgung (Impulsgeber) mikrochirurgisch an die Läsionsstelle transplantiert wird. Hier wird der Muskel unter Verwendung eines Operationsmikroskops an eine Vene und eine Arterie angeschlossen also verbunden. Auf diese Weise kann der Muskel nun weg vom Oberschenkel am Arm gut durchblutet überleben. Dies reicht allerding noch lange nicht aus, damit der Muskel funktioniert. Aus diesem Grund muss auch der Nerv des Muskels einen Anschluss erhalten, damit auch in Zukunft weiterhin elektrische Impulse den Muskel zum Anspannen bringen. Dies stellt allerdings gelegentlich ein planerisches Problem dar, da nicht immer ein funktionierender Spendernerv in der unmittelbaren Umgebung der ausgefallenen Muskelgruppen zu finden ist. In diesem Fall muss ähnlich wie bei den intra- oder extraplexuralen Nerventransfers ein Nerv gesucht werden, der verwendet werden kann, ohne die Funktion des Spenders und dessen Muskel zu schädigen. Liegen diese Spendernerven zu weit vom Ort der Rekonstruktion weg (z. B. Spenderort am Nacken durch den Accessoriusnerv oder am Brustmuskel durch den Brustmuskelnerv)so muss ein langes Nervenkabel (Suralisnerv oder ein anderer Spendernerv) vorgelegt werden. Dieses Kabel endet zunächst `blind`, da die Impulse, je nach Länge dieses Nerventransplantates mehrer Monate Zeit benötigt, bis funktionierende Impulse am Ende ankommen können. Dies liegt daran, dass die Nervenfasern auf Rückenmarksebene aussprossen müssen und bis zum Ort des Geschehens (ausgefallene Muskelgruppe) wachsen müssen. Daher kann es sinnvoll sein, in derartigen Fällen, die Operation und Rekonstruktion mit einem freien- funktionellen Muskel zweizeitig zu planen. Zweizeitig bedeutet, dass zunächst die Nerventransplantation, also Vorlage des Spendernervs erfolgt und anschließend (z. B. nach einem Jahr) der Muskel entnommen und Transplantiert wird. Der Muskel wird so verpflanzt, dass er z. B. für die Bizepsrekonstruktion – gelenkübergreifend eingenäht und befestigt wird. D. h. dass der Muskel am Schlüsselbein verankert wird und über das Ellenbogengelenk hinweg am Unterarm befestigt wird.
I. d. R. schließt sich nach der Operation eine lange physiotherapeutische Nachbehandlung an.
In Berlin wird diese Form der Funktions-wiederherstelleung nur von wenigen Chirurgen beherscht und angeboten. In unserer Privatpraxis für Plastische-, Hand- und Rekonstruktive Mikrochirurgie stellt dieses Verfahren eine erprobte und sichere Technik zur Wiederherstellung und Verstärkung der wesentlichen Funktionen des Plexus brachialis dar.

This post is also available in: Englisch, Arabisch, Russisch, Griechisch

Prof. Sinis Auszeichnungen

Social Media Icons Powered by Acurax Website Designing Company