Wer zahlt die Kosten zur Brustrekonstruktion nach Brustkrebs?

Da es sich um eine Folge einer Krebserkrankung handelt und die Ablation durch die verbleibende Asymmetrie eine Störung des Gleichgewichts des Bewegungs- und Haltungsapparates verursacht, handelt es sich bei den Verfahren um eine Kassenleistung. Die Krankenkassen zahlen sämtliche Kosten, die mit der Wiederherstellung der weiblichen Brust aufkommen. Dazu zählen sowohl die Kosten für die Brustrekonstruktion als auch für den Wiederaufbau und Rekonstruktion der Brustwarze und der Areola (Warzenhof). Sollten Sie gegenteilige Informationen von den Kassen oder von Ärzten erhalten, empfehlen wir Ihnen ein kostenloses Beratungsgespräch in unserer Spezialsprechstunde für Brustchirurgie.

Wie lange liege ich im Krankenhaus?

I.d. R. liegen die Patientinnen ca. 1 Woche bis 10 Tage nach dem Wiederaufbau der Brust in unserer Klinik. In der ersten Nacht nach der Operation liegen Sie auf der Intensivstation zur Überwachung der Durchblutung des Gewebes. Am Folgetag werden die Patientinnen dann auf die periphere Station verlegt und können dann in den darauf folgenden Tagen mobilisiert werden, sodass Sie möglichst frühzeitig wieder Nachhause entlassen werden.

Welches Verfahren ist für mich das richtige?

Da es sich um eine sehr individuelle Situation handelt, nach Entfernung der Brust bei Brustkrebs, muss die Behandlungsstrategie jeweils auf die Patientin angepasst werden. Hier sind intensive Gespräche im Vorfeld notwendig, um die Wünsche und Ängste der Patientin zu erfahren und in der gemeinsamen Planung zu berücksichtigen. Wir versuchen die Wiederherstellung der Brust mit dem eigenen Gewebe der Patientin zu favorisieren, da wir hier verschiedene Vorteile sehen, die bei den Implantaten nicht gegeben sind. Der Wiederaufbau der Brust mit Eigengewebe ist generell besser verträglich und zeigt auch die besseren Langzeitergebnisse. Nach einem erfolgreichen Wiederaufbau der Brust ist i.d.R. kein weiterer Eingriff notwendig, während bei Implantaten immer wieder aufgrund von Kapselfibrosen und Fremdkörperrektionen Folgeeingriffe notwendig werden. In der Gegenüberstellung der Verfahren zum Wiederaufbau der Brust mit körpereigenem Gewebe, müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden. Insbesondere geht es um den Zustand der Patientin nach der Tumoroperation, bzw. ob und in welchem Umfang noch Drüsengewebe vorhanden ist. Bei brusterhaltenden Therapien kann es sinnvoll sein, das erhaltene Gewebe mit einer Eigenfett-Transplantation aufzubauen. Sollte die erhaltene Brust auf der Gegenseite eine kleine Größenkonfiguration bieten, die Patientin einen schlanken Habitus aufweisen, so bietet sich der Brustwiederaufbau mit einem TMG an. Bei voluminösem Bauch würde man der Patientin zu einer Operation mit einem DIEP raten. Sollte die Bauchdecke aufgrund von Voroperationen nicht für eine solche OP geeignet sein, so kann man auf das Fettgewebe von der Gesäßregion zurückgreifen und einen S-GAP zur Brustrekonstruktion durchführen. Welches Gewebe am Ende das richtige ist, für das gewünschte Operationsergebnis, muss breit und umfangreich mit der Patientin erörtert werden. Wir haben genügend Bildmaterial und einen großen Erfahrungsschatz um individuell auf Ihre Situation einzugehen.

Welche Gefahren bestehen bei den mikrochirurgischen Verfahren?

Oftmals kommen schlecht aufgeklärt Patientinnen in die Sprechstunde und berichten über Laiengespräche in denen auf die Gefahren der mehrstündigen, mikrochirurgischen Rekonstruktionsverfahren hingewiesen wird. Tatsächlich handelt es sich beim DIEP, S-GAP oder TMG um Operationen, die länger dauern als ein Wiederaufbau der Brust mit einem Implantat. Anderseits handelt es sich hierbei keineswegs um 12 und 14 stündige Operationszeiten. Üblicherweise sind die mikrochirurgischen Aufbauten mit Eigengewebe nach ca. 4 bis 6 Stunden abgeschlossen und beendet. Die Narkosen sind als gut verträglich zu bezeichnen, sodass hiervon bislang nie Gefahren ausgegangen sind. Während der Operation achten wir auf eine atraumatische Präparationsweise, sodass keine merkbaren Blutverluste auftreten. I.d.R. ist die Gabe von Blutkonserven oder Blutprodukten nicht notwendig. In seltenen Ausnahmen werden Bluttransfusionen notwendig. Für diesen Fall können die Patientinnen vor der Operation Eigenblut spenden, um Eigenblut zu erhalten. Grundsätzlich bestehen bei einer sonst gesunden Patientin keine höheren Operationsrisiken bei den mikrochirurgischen Verfahren im Vergleich zur Wiederherstellung der Brust mit Implantaten.

Ich hatte früher eine Operation auf der Bauchdecke (Blinddarm, Galle, Fettabsaugung). Bin ich trotzdem für den DIEP geeignet?

Eine grundsätzliche Kontraindikation durch Voroperationen auf der Bauchdecke für einen DIEP besteht nicht. Die Einschätzung erfolgt in Abhängigkeit von der Voroperation und der Narbe, die darauf hin zurück bleibt. Im Falle einer Bauchdeckenstraffung ist der DIEP nicht mehr möglich. Nach Eingriffen wie Gallen-Operationen, Laparoskopien oder Blinddarm-OPs ist ein DIEP häufig noch komplikationslos möglich, zumal üblicherweise nur ein Teil der Bauchdecke verwendet wird. Der Anteil der nicht verwendet wird, kann anschließend verworfen werden, sodass man in der Planung den Teil auf die vorliegende Narbe projiziert und diese mit einbezieht. Nach Fettabsaugungen kann ebenfalls der DIEP zum Wiederaufbau der Brust entnommen werden.

Benötige ich eine Bruststraffung der nicht-operierten Brust, nach einer Brustrekonstruktion?

Vor der Operation wird dieser Punkt gemeinsam mit der Patientin besprochen und das Konzept festgelegt. I. d. R. kann die Brustgröße der Gegenseite durch einen mikrochirurgischen Gewebetransfer vom Unterbauch, Gesäß oder Oberschenkel erreicht werden, sodass keine weiteren Maßnahmen hinsichtlich einer Straffung notwendig sind. Sollte die Patientin das wünschen, kann die Brustgröße der zu rekonstruierenden Brust, kleiner und strammer geformt werden, sodass später eine angleichende und straffende Operation der nicht-operierten Brust erfolgen kann. Kleinere Asymmetrien können später mit einer Fettabsaugung beseitigt werden.

Kann die Brust noch während der Tumoroperation im Sinne einer Sofortrekonstruktion aufgebaut werden?

Eine Sofortrekonstruktion ist grundsätzlich möglich. Da sich dadurch allerdings der Eingriff deutlich verlängert empfehlen wir einen zweizeitigen Ansatz. D.h. dass die Brustrekonstruktion erst nach der Tumoroperation erfolgt. Das Konzept hat sich über die vergangenen Jahre sehr bewehrt, wobei in Einzelfällen auch anders entschieden werden kann. Das zeitliche Vorgehen muss mit der Patientin abgestimmt werden, damit die operativen Maßnahmen auch in die privaten und beruflichen Lebensumstände der Patientin integriert werden.

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