Bei diesem Verfahren wird ein gesunder und nicht verletzter Nerv so umgeleitet, dass die Gesichtsnervenlähmung damit behandelt werden kann. Dafür eignet sich der in der Nähe liegende Hypoglossus-Nerv (Zungennerv) sehr gut. Auf diese Weise kann die Funktion des ausgefallenen Nervs kompensiert werden. Der ‘angezapfte Nerv’ übernimmt die Funktion des ‘ausgefallenen Nervs’ was auch auf dem Hintergrund des Abbaus der mimischen Muskulatur wichtig erscheint, damit das sog. Endorgan überlebt. Muskeln die nicht aktiviert werden, weil der Nerv geschädigt ist, werden i.d.R. abgebaut. Der Muskel, hier im Falle der Gesichtsnervenlähmung die mimische Muskulatur, kann durch eine erfolgreiche Rekonstruktion erneut zum Leben erweckt werden. Dies kann allerdings nur in einem sehr begrenzten Zeitraum erfolgen, da früher oder später ein sog. ‘Point of no return’ erreicht ist. Aus diesem Grund versuchen wir unter Anwendung moderner mikrochirurgischer Verfahren eine rasche ‘Wiederbelebung’ des N. Facialis zu erreichen, um die mimische Muskulatur zu retten. Durch dieses Verfahren kann die sog. Dennervierungszeit verkürzt werden und der Muskel, respektive die mimische Muskulatur vor dem Untergang bewahrt werden. Der Anschluss des Gesichsnervs an den Zungennerv ist allerdings nur eine Stütze und stellt keine dauerhafte Lösung dar. Wir sprechen bei diesem Verfahren von der sog. Jump-Anastomose. Diese ist allerdings unphysiologisch und stellt von der Kopplung zwischen Zungeninnervation und der Gesichtmuskelbewegung keine ideale Lösung dar. Aus diesem Grund besteht eine Neuentwicklung in der Plastischen Chirurgie und der Behandlung der Gesichtsnervenlähmungen darin, die ‘Jump-Anastomose’ aufzuheben. Dafür muss allerdings in gleicher Weise zum Zeitpunkt der Anlage dieser Verbindung zwischen Zungennerv (Hypoglossusnerv) und Gesichtsnerv der gesunde Gesichtsnerv auf der Gegenseite ‘angezapft’ werden. Dafür wird ein Spendernerv vom Unterschenkel entnommen, der unter der Haut von einer Gesichtshälfte auf die andere gelegt wird (sog. Cross-Face-Transfer). Über einen Zeitraum von ca. 6 bis 8 Monaten wachsen dann die neu aussprossenden Nerven auf die Gegenseite aus und wachsen dann auf die gelähmte Seite ein. Das ist dann der Zeitpunkt, wo die ‘Jump-Anastomose’ (Zungennerv-Transfer) gelöst und zurückverlanget wird. Anschliessend wird der Cross-Face-Transfer vervollständigt indem der Anschluss an den geschädigten N. Facialis mit einer mikrochirurgischen Naht angebracht wird. Auf diese Weise wird dann aus der ‘Jump-Anastose’ der sog. Baby-Sitter-Transfer. D. h. die Verbindung zwischen Zungennerv und Gesichtsnerv wurde nur zur Überbrückung, also nur temporär angelegt, um Zeit zu gewinnen und die Gesichtsmuskulatur zu erhalten, bis die Impulse vom Gesichtsnerv der Gegenseite genutzt werden können. Das Cross-Face-Verfahren bietet folgende Vorteile:

1. Synchrone Innervation des Gesichts durch den Impuls der gesunden Gegenseite.

2. Anatomische Rekonstruktion, da der Zungennerv nicht primär für die Beweglichkeit der Gesichtsmuskulatur zuständig ist.

3. Vermeidung von unwillkürlicher Mitbewegung des Gesichts bei Zungenbeweungen.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gern in Berlin zur Verfügung.

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